Radartechnologie für den Radverkehr am Braunschweiger Ringgleis

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Wie kann Radartechnologie dazu beitragen, Radfahrende und Fußgänger an Kreuzungen früher zu erkennen und Ampelschaltungen komfortabler und sicherer zu machen? Genau das zeigt ein Praxisbeispiel am Braunschweiger Ringgleis (Kreuzung Hildesheimer Straße), wo seit 2023 Radarsensorik die Grünanforderung automatisch auslöst. Kontaktlos, wetterunabhängig und datenschutzkonform. Der Beitrag blickt außerdem nach vorn: Welche Perspektiven eröffnen Datenfusion und I2X-Kommunikation (Infrastructure-to-Everything), um kritische Situationen an Kreuzungen frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit weiter zu erhöhen?

Der Artikel ist im aktuellen iQ-Journal erschienen, dem Fachmagazin für Wirtschaft und Wissenschaft aus der Region Braunschweig. Die Leserschaft umfasst mehr als 3.500 Ingenieure im VDI Braunschweig aus Unternehmen und Hochschulen.

 

This article was originally published in the iQ-Journal in January 2026.

Kontaktlos über die Kreuzung 

Wie Radarsensoren den Verkehr am Ringgleis verändern

An der Kreuzung des Braunschweiger Ringgleises mit der Hildesheimer Straße ist seit 2023 Radartechnologie im Einsatz, um den Rad- und Fußverkehr sicherer und komfortabler zu gestalten. Radfahrende und andere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmende, die die Straße überqueren möchten, müssen keinen Taster mehr betätigen. Die Ampel erkennt, wenn sich jemand nähert, und fordert das Grünsignal automatisch an. Das Radarsystem dahinter wurde vom Braunschweiger Unternehmen smartmicro entwickelt. Oberhalb der Ampelanlage sind Sensoren montiert, die auf den Fuß- und Radweg in Richtung Ringgleis ausgerichtet sind. Sie erfassen Bewegungen, ohne dass Kameras nötig sind. Das System arbeitet kontaktlos, wetterunabhängig und vollständig datenschutzkonform. Es verbessert den Verkehrsfluss und zeigt, wie moderne Sensortechnik den Radverkehr der Zukunft unterstützt. Die Sensoren senden elektromagnetische Wellen aus, die von Objekten reflektiert werden. Aus Laufzeit und Richtung der Signale berechnet das System Position und Geschwindigkeit. So erkennt es zuverlässig Radfahrende, Fußgänger oder Jogger, unabhängig von Lichtverhältnissen, Regen oder Nebel. Nähert sich eine Person der Kreuzung, fordert das Steuergerät automatisch das Grünsignal an.

 Früherkennung statt Tastendruck

 An der Kreuzung Ringgleis/Hildesheimer Straße sind virtuelle Radar-Messzonen eingerichtet, die ankommende Personen frühzeitig erfassen und die Grünanforderung auslösen. Während der Einführungsphase liefen die Taster zunächst parallel, inzwischen erfolgt die Anforderung automatisch. Durch den geringen Wartungsaufwand eignet sich das System für den dauerhaften Einsatz im Stadtgebiet und kann bei Bedarf an weiteren Knotenpunkten eingesetzt werden. Die Anlage am Ringgleis ist mehr als eine Komfortlösung für Radfahrende. Sie zeigt, wie Sensortechnologie aus dem Verkehrsmanagement auf den Rad- und Fußverkehr übertragen werden kann, und eröffnet Perspektiven für eine vernetzte, datenbasierte Steuerung. Moderne Fusionssysteme von smartmicro können die Daten mehrerer Sensoren zusammenführen und so ein Bild des Verkehrsgeschehens erzeugen. Städte erhalten damit Informationen darüber, wie sich Rad, Fuß- und Kfz-Verkehr über den Tag verteilen. Auf dieser Grundlage lassen sich Ampelschaltungen optimieren und Infrastruktur gezielter planen. Der nächste Schritt ist die Integration von I2X-Kommunikation (Infrastructure-to-Everything). Dabei tauschen Infrastruktursensoren und Fahrzeuge Informationen aus. Besonders für Radfahrende und Fußgänger bietet das zusätzliche Sicherheit, weil stationäre Sensoren auch Bereiche erfassen können, die für Fahrzeugsensoren verdeckt bleiben. In Zukunft könnten Radarsensoren Radfahrende erkennen, die sich einer Kreuzung nähern, und abbiegende Fahrzeuge automatisch warnen. Durch die Kombination aus Radartechnologie, Datenfusion und vernetzter Kommunikation wird die Basis für eine zukunftsweisende, sichere und effiziente städtische Mobilität geschaffen.